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Ostern: „Jesus lebt und will in vielen Gesichtern auferstehen"

Licht ins Dunkel: Feier der Osternacht - AFP

15/04/2017 21:30

Die Auferstehung Jesu dreht das menschliche Leben um: Wo Resignation war, ist nun Dynamik und Hoffnung, die selber verkünden will. Wer das nicht nachvollziehen und nicht selber „auf die Straße gehen“ wolle, um die Neuheit der Auferstehung zu verkünden, „der ist kein Christ“: Die klare Botschaft war das Rückgrat der Predigt von Papst Franziskus in der Osternacht. Nach Gründonnerstag und Karfreitag feierte er die Auferstehung Jesu in einer feierlichen Liturgie im gefüllten Petersdom, während er elf Menschen aus Albanien, Malta, Italien, Indonesien und China taufte.

Zwei Frauen, müde und verwirrt, schwache Schritte auf dem Friedhof. Aber sie gehen hin, die „tote Liebe“ zu besuchen. Anders als die Jünger. Papst Franziskus begann seine Auslegung des Oster-Evangeliums bei den Personen, die durch das Geschehen führen. „Zwei Frauen, die fähig waren, nicht davon zu laufen, sondern auszuhalten, die fähig waren, sich dem Leben zu stellen, so wie es ist, und den Bittergeschmack des Unrechts zu ertragen. Und nun sind sie dort vor dem Grab, unter Schmerzen, unfähig, sich damit abzufinden und zu akzeptieren, dass alles immer so enden muss.“

In den Frauen Menschen von heute erkennen

In diesen Frauen könne man Frauen von heute erkennen, aber auch andere Menschen, die „Last und Schmerz menschlicher Ungerechtigkeit tragen müssten, so der Papst: Opfer von Menschenhandel und von Korruption, Migranten und Flüchtlinge, Heimat- und Rechtlose. „In den Gesichtern dieser Frauen sind viele Gesichter, vielleicht finden wir auch das deine und das meine. Wie sie mögen wir uns veranlasst fühlen, uns auf den Weg zu machen, uns nicht mit der Tatsache abzufinden, dass alles so enden muss.“

Um die Verheißung der Treue Gottes wüssten die Christen, aber auch um ihr eigenes Scheitern. Das schlimme daran: Man gewöhne sich sogar daran, dass die Dinge sind, wie sie sind, „wir gehen sogar so weit, uns einzureden, dass dies das Gesetz des Lebens ist, während wir uns mit Ausflüchten betäuben, die nichts anderes bewirken, als die Hoffnung, die Gott in unsere Hände gelegt hat, auszulöschen. So sind oft unsere Schritte, so ist unser Gehen wie das dieser Frauen – ein Gehen zwischen der Sehnsucht nach Gott und einer freudlosen Resignation. Nicht nur der Meister stirbt – mit ihm stirbt unsere Hoffnung.“

Hoffnung und Scheitern

Mit Ostern wird das aber anders, markiert in der Erzählung nach Matthäus durch ein großes Erdbeben, „plötzlich erhielten die Frauen einen starken Stoß, etwas oder jemand ließ den Boden unter ihren Füßen erbeben.“ Das bereitet darauf vor, dass jemand den Frauen entgegen geht und sagt Fürchtet euch nicht, er ist auferstanden! „Das am Kreuz entrissene, zerstörte, vernichtete Leben ist wieder erwacht und schlägt wieder“, zitierte der Papst den Theologen Romano Guardini.

„Durch seine Auferstehung hat Christus nicht nur den Stein des Grabes umgekippt, sondern er will auch alle Schranken sprengen, die uns in unseren unnützen pessimistischen Haltungen und unseren berechnenden Denkwelten, die uns vom Leben wegführen, einschließen wie auch in unserer besessenen Suche nach Sicherheit und in den maßlosen Ambitionen, die imstande sind, mit der Würde der anderen zu spielen.“ In den Worten des Papstes also genau das Gegenbild dessen, was die Frauen auf dem Weg zum Grab bedrückte.

„Da bricht Gott herein“

Die Autoritäten hätten damals alles kontrollieren wollen, denn sie hätten für sich beansprucht, alles festlegen zu dürfen. „Da bricht Gott herein“, stößt um, ermöglicht Chancen. Für die Frauen am Grab bedeutet das den Mut und die Kraft, ihre Schritte zu verändern, „das lässt sie hastig wieder aufbrechen und zu den Jüngern eilen, um die Botschaft zu verkünden (vgl. Mt 28,8); das bringt sie dazu, auf dem Absatz kehrtzumachen und einen Blickwechsel zu vollziehen; sie kehren in die Stadt zurück, um die anderen zu treffen.“

Die Verkündigung der Frauen sei auch der Auftrag, den Christen heute bekämen, nach der Feier des Karfreitages gelte es am leeren Grab, die „Schritte und Blicke neu auszurichten.“ Wo Tod eine Lösung und Grab das letzte Wort zu haben scheint, dort gelte es vom Leben des Auferstandenen zu sprechen. „Er lebt und will in vielen Gesichtern auferstehen, welche die Hoffnung begraben haben, die Träume, die Würde.“ Das sei eine Herausforderung, so Papst Franziskus, der man sich als Christ stellen müsse, verbunden mit einer Warnung. „Wenn wir nicht fähig sind zuzulassen, dass der Heilige Geist uns auf diese Straße führt, dann sind wir keine Christen.“

Überraschen lassen

„Lassen wir uns von der Neuheit überraschen, die allein Christus geben kann“, schloss der Papst seine Gedanken. „Lassen wir zu, dass seine Zärtlichkeit und seine Liebe unsere Schritte in Bewegung versetzen, dass sein Herzschlag unseren schwachen Herzschlag verwandle.“

 

(rv 15.04.2016 ord) 

15/04/2017 21:30