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Migration: „Niemand kann sich aus der Verantwortung stehlen“

Albrecht Freiherr von Boeselager - AP

13/04/2017 11:06

Europa erlebt derzeit weniger eine Flüchtlings- oder Migrationskrise als vielmehr eine Führungs- und Kommunikationskrise. Das schreibt Albrecht von Boeselager, Großkanzler des Malteserordens, in einem Beitrag für das Vatican Magazin. Tatsächlich lebten in Europa derzeit weniger Flüchtlinge als noch vor zwanzig Jahren, schreibt Boeselager. Der Eindruck vom Kontrollverlust des Staates sei nicht so eklatant, wie er wahrgenommen oder kommuniziert werde.

In seinem Artikel plädiert der Leiter der Exekutive des weltweit tätigen Laienordens für eine faktenbasierte Diskussion, die zunächst „unabhängig von humanitären und wertebasierten Aspekten“ geführt werden solle, nur so käme man zu Lösungen, welche Ängste einerseits und Wertemaßstäbe andererseits vernünftig einbeziehen könnten.

Deutlich spricht sich Boeselager gegen das Bauen von Mauern aus, „alle ernstzunehmenden mit der Migration befassten Organisationen und Forscher“ kämen zum Ergebnis, dass eine Schließung der Grenzen zur zu einer Stärkung illegaler Migration führe. So könne man also das Problem nicht lösen. „Niemand kann sich aus der Verantwortung stehlen“.

Zu den Vorschlägen, die Boeselager in dem Artikel macht, gehört etwa eine „differenzierte und kluge Politik für Einwanderung und temporäre Aufenthaltsmöglichkeiten zur Ausbildung oder Gewinnung von Berufserfahrung“. Nur über solche Programme und damit die mittel- und langfristige Unterstützung vor allem Afrikas könne Europa wieder die Kontrolle gewinnen. Gesellschaften hingegen, die sich Veränderungen nicht stellte und sich nach außen abschlössen, würden im Gegenteil zunächst „irrelevant“ und dann untergehen.

(vaticanmagazin 13.04.2017 ord)

13/04/2017 11:06