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Reformationsgedenken: Ökumene lebt vom Austausch

Bischof Munib Younan - AFP

30/03/2017 12:00

Die Ökumene kann weitere Fortschritte machen, wenn der persönliche Austausch zwischen den Gläubigen verschiedener Konfessionen noch stärker gefördert wird. Davon ist der scheidende Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib Younan, überzeugt. Er lebe in Jerusalem, sagt der Palästinenser, und darum wisse er nur allzu gut, wie wichtig die Einheit unter den Christen sei: in einem Kontext, in dem die Christen in der Minderheit sind. Zwar könne er nicht in die Zukunft blicken, aber er glaube, dass es in 10 oder 15 Jahren eine gegenseitige volle Anerkennung zwischen Lutheranern und Katholiken gebe werde. Dazu bedürfe es aber des unermüdlichen Einsatzes aller Gläubigen.

„Das Gespräch muss auch auf die Juden und Muslime ausgeweitet werden, denn der Dialog zwischen allen Glaubenden des einen barmherzigen Gottes kann die Wurzel jeglichen Sektierertums auszehren.“

Ausdrücklich würdigte Younan den ökumenischen Einsatz des Papstes. Franziskus hat im letzten Oktober als erster Papst im schwedischen Lund am Reformationsgedenken mitgewirkt.

„Das Treffen in Lund war ein gesegneter Moment. Wir erleben heute noch die Früchte dieses ökumenischen Treffens. Wir haben uns alle dort gegenseitig versprochen, dass wir alles daran setzen wollen, um auf diesem ökumenischen Weg weiter fortzuschreiten.“

Als Bewohner des Heiligen Landes sei es ihm ein Anliegen, dass gerade in den Wirkungsorten Jesu die Ökumene konkrete Früchte hervorbringe, so die Nummer Eins des Lutherischen Weltbundes. „Denn wenn die Ökumene hier im Heiligen Land Erfolg hat, dann wird sie auch weltweit Erfolg haben. Die Christen in Palästina, Israel und Jordanien unternehmen sehr viel für die Einheit unter den Christen und zählen somit zur Vorhut jener, die sich um den Dialog bemühen.“

Historiker im Vatikan tagten über Luther

Die Bedeutung der Ökumene ist auch im Vatikan ein Thema, und zwar nicht nur im Einheitsrat von Kardinal Kurt Koch. So hat das Päpstliche Komitee für Geschichtswissenschaften in diesen Tagen eine dreitägige Konferenz über Martin Luther und die Reformation durchgeführt. Johannes Grohe ist Professor für mittelalterliche Geschichte an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom und war einer der Referenten auf der Tagung. Im Gespräch mit Radio Vatikan sagt er:

„Wir können natürlich nicht davon absehen, dass dieses Ereignis vor 500 Jahren die Kirche verändert hat. Es hat die ganze europäische Geschichte geprägt und ist eine der Zäsuren, mit denen man angibt, dass eine Zeitwende stattgefunden hat, dass mit der Reformation also die Neuzeit beginnt. Darin sind sich die Historiker allgemein einig. Insofern ist es sinnvoll, dass wir dieses Jubiläum auch begehen. Wir haben katholischerseits natürlich darauf Wert gelegt festzustellen, dass wir es nicht feiern, denn man feiert nicht die Trennung! Es war uns aber ein Anliegen, dass man über die Reformation nachdenkt, dass wir gemeinsam mit evangelischen Christen über die Reformation nachsinnen und vielleicht Wege finden, wie man die Spaltung überwinden kann.“

Auch aus historisch-wissenschaftlicher Sicht sei die gemeinsame Erklärung vom 31. Oktober 2016 in Lund interessant gewesen. Grohe:

„Der Umgang miteinander ist eigentlich so gut wie noch nie. Nach dem Zweiten Vatikanum kamen dann noch wichtige Dokumente hinzu, wie etwa „Ut unum sint“ von Johannes Paul II. aus dem Jahre 1995, die Unionsenzyklika, mit der er nachdrücklich dazu auffordert, über die Rolle des Papsttums nachzudenken, damit man Wege finden möge, die es auch anderen christlichen Kirchen ermöglichen, sich damit identifizieren können. Das hat ja dann eine ganze Reihe von Studien und Anstrengungen wissenschaftlicher Art ausgelöst. Benedikt XVI. hat bei seinem Deutschlandbesuch 2011 in Erfurt darauf aufmerksam gemacht, dass wir im Grunde genommen für die Christen unserer Tage den gleichen Eifer und die Sorge um das Heil wünschen sollten, wie es bei Martin Luther der Fall war. Denn da sich die Glaubensfrage bei vielen heute ein klein wenig ins Beliebige verläuft, ist die Rückbesinnung auf einen zutiefst religiösen Menschen wie Martin Luther schon hilfreich.“

(rv 30.03.2017 mg)

30/03/2017 12:00