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Konferenz im Vatikan: Wasser ist das Gut aller

Gerade in Entwicklungsländern ist der Zugang zu Wasser noch lange nicht für alle sicher gestellt - AFP

22/03/2017 14:30

„Wasser muss als Gut aller geschützt werden“. Daran erinnert Papst Franziskus im Rahmen seiner Generalaudienz an diesem Mittwoch. Am 22. März wird der Internationale Weltwassertag begangen, und der Vatikan hat aus diesem Anlass eine hochkarätig besetzte Konferenz ausgerichtet, an der, neben hochrangigen Kurienkardinälen, auch Interessensvertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft teilnehmen. Den Teilnehmern an der Tagung „Watershed: Replenishing Water Values for a Thirsty World”, organisiert in Kooperation des Päpstlichen Kulturrates und der Argentinischen Sektion des Club of Rome, dankte der Papst in seinem Appell für ihren Einsatz für das Menschrecht Wasser. Er ermuntere sie vor allem dazu, ihre Anstrengungen im Bereich der Bildung weiter zu führen, um Kinder und Jugendliche für den Wert des Wassers zu sensibilisieren.

Thomas van Waeyenberge ist aus Brüssel zu der Tagung angereist – er arbeitet für AquaFed, die Internationale Vereinigung von Wasserversorgern aus dem privaten Sektor. Die Wasserversorgung von mehr als einer Milliarde Menschen wird durch private Anbieter sichergestellt – dazu gehört auch die Rückführung von Abwasser. Wir haben ihn gefragt, was der konkrete Beitrag seiner Vereinigung zu einer Sicherstellung des Menschenrechts auf Wasser sei.

„Vor ein paar Jahren haben wir zusammen mit der Weltbank, aber auch mit Transparency International und noch ein paar anderen Mitgliedern wir das Water Integrity Network gegründet. Und das Hauptanliegen von Water Integrity Network ist eigentlich, Integrität zu fördern, um die Korruption zu bekämpfen. Denn verschiedene Studien belegen, dass Korruption ein sehr großes Hindernis ist bei der Entwicklung von Wasser- und Abwasserversorgungssystemen. Korruption ist nicht nur eine Sache des privaten oder öffentlichen Sektors, sondern sie ist sehr komplex und geht vom ganz Großen ins ganz Kleine.

Im Jahr 2010 erkannten sowohl die Generalversammlung der Vereinten Nationen als auch der Menschenrechtsrat das Recht auf Wasser und Sanitärversorgung explizit als verbindliches Völkerrecht an. Dieses Menschenrecht baue auf fünf Komponenten auf, erklärt uns van Waeyenberge. Diese sind Verfügbarkeit, Erreichbarkeit, Qualität, Annehmbarkeit und Bezahlbarkeit. „Und diese fünf Kriterien können durch Korruption alle angegriffen werden," so der Wasserfachmann. Beispielsweise in afrikanischen Ländern komme es vor, dass die Nutzer nicht nur den Preis für das Wasser selbst zu bezahlen hätten, sondern auch denjenigen schmieren müssten, der Ihnen das Wasser liefert - sonst bestehe die Gefahr, dass buchstäblich der Hahn zugedreht wird.

„Aber wenn man anfängt, über Korruption zu sprechen, und versucht, Integrität als Wert höher auf der Agenda zu platzieren, dann kann man richtig schnell sehen, dass nicht direkt tangible Werte wie Ethik, Integrität und Moral auch den Operatoren helfen können. Water Integrity Network verteilt Tool-Boxen, um die Korruption Das hilft, die Performance von allen Dienstleistern zu verbessern.“

Wichtig sei natürlich eine adäquate Gesetzgebung, gerade um das Kriterium der Bezahlbarkeit sicherzustellen. Die Watershed-Konferenz von diesem Mittwoch könne dazu einen wichtigen Beitrag leisten, zeigt sich van Waeyenberge überzeugt. „Wir sind mit dem Papst einer Meinung, dass alle Interessensgruppen zusammenarbeiten müssen. Und das ist etwas, was ich schon persönlich seit 15 Jahren erlebe, nämlich dass, wenn alle diese Partner, ob es nun NGO´s, religiöse Organisationen, Städtevereinigungen oder Privatunternehmen wie wir, gemeinsam an einem Tisch sitzen, sehr schnell konkrete Ergebnisse erzielt werden können. Wir hoffen, dass diese Konferenz wirklich große Auswirkungen auf die Moralität und die ethische Grundlagen haben wird, die immer zugrunde liegen müssen.“

Es sei an der Zeit, den rein technokratischen Ansatz hinter sich zu lassen und die Operationen auf die Bedürfnisse nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Umwelt und der Menschen auszurichten. Man sei nun damit beschäftigt, die Nachhaltigkeits-Ziele der Agenda 2030 umzusetzen: „Und da ist es sehr positiv, dass Wasser eine notwendige Bedingung dafür ist, alle anderen Menschenrechte und Entwicklungsziele zu realisieren. Heute sehen wir eine Tendenz, dass die Zusammenarbeit immer besser klappt.“ Die Konferenz solle auch dafür sorgen, dass ein neuer Dialog mit den Mitgliedsländern der Vereinten Nationen zustande komme und die Zusammenarbeit noch weiter gefördert werde. „Und der Vatikan, aber auch andere religiöse Organisationen können eine sehr wichtige Rolle in der Debatte über Wasser spielen, und haben das auch schon getan, weil sie eine große moralische Autorität verfügen und die Fähigkeit zur Inklusion haben, also einen Dialog zwischen allen Parteien auf den Weg zu bringen.“

(rv 22.03.2017 cs)

22/03/2017 14:30