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Vatikan/Libanon: „Wir brauchen politische Hilfe!”

Sein erster Besuch in Europa: Libanons Staatspräsident Michel Aoun beim Papst - REUTERS

17/03/2017 11:29

Der libanesische Präsident Michel Aoun bittet den Vatikan und die internationale Staatengemeinschaft um konkrete Hilfe. Am Donnerstag traf er den Papst bei einer Audienz im Vatikan. Gemeinsam sprachen sie über die Probleme im Libanon, aber auch jene in der gesamten Region, wie Präsident Aoun im Anschluss an das Treffen gegenüber Radio Vatikan sagte:

„Wir brauchen jetzt politische Hilfe, weil wir die aktuelle Krise im Nahen Osten und allgemein in der arabischen Welt sehr stark spüren. Ich habe mit dem Papst über die Probleme in der Region und die Herausforderungen für den Libanon gesprochen. Das ist alles die Konsequenz der weltweiten Krise.“

Gerade die Herausforderung der syrischen Flüchtlinge strapaziere sein Land sehr, so Aoun. In seinem kleinen, nur 4,5 Millionen Einwohner zählenden Land leben nach UNO-Angaben derzeit um die zwei Millionen Flüchtlinge.

„Für unsere Gesellschaft gab es eigentlich keine Änderungen, weil wir trotz allem die Stabilität und die Sicherheit des Landes garantieren konnten. Einzig als die Syrienkrise begann, gab es auch im Libanon einige Bombenschläge, doch im Vergleich zu dem, was in der gesamten Region geschieht, müssen wir zugeben, dass es bei uns gut geht. Was wir spüren, sind die indirekten Konsequenzen.“

Diese seien vor allem wirtschaftliche Probleme, weil die Gesellschaftsstruktur sich verändert habe und weil die Aufnahme von Flüchtlingen auch kostet. Doch wichtiger als die Wirtschaft sei der Dialog: Präsident Aoun hofft deshalb, dass die Gespräche zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften in seinem Land voranschreiten – er werde jedenfalls alles daran setzen. Der Christ Aoun ist Maronit und seit dem 31. Oktober 2016 Präsident seines Landes. Die Wahl des neuen Präsidenten war seit Mai 2014 bereits 45 Mal gescheitert, weil sich die Parteien nicht auf einen Kandidaten einigen konnten. Ohne Staatsoberhaupt war die Politik des Landes in den vergangenen zweieinhalb Jahren weitestgehend gelähmt. Tiefe Gräben zwischen christlichen und muslimischen Politikern verhinderten die Wahl eines neuen Präsidenten. In dem multikonfessionellen Land muss das Staatsoberhaupt immer ein Christ sein, der Premierminister ein Sunnit und der Parlamentspräsident ein Schiit.

 

(rv 17.03.2017 mg)

17/03/2017 11:29