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Papst: „Ins Paradies kommt man nicht mit der Kutsche“

Der Papst auf dem Petersplatz - ANSA

01/03/2017 11:09

Die Fastenzeit ist „ein Weg der Hoffnung“: Mit dieser Formulierung hat Papst Franziskus den Aschermittwoch geschickt in seine Katechesenreihe über die christliche Hoffnung eingebaut. Man könne die vorösterliche Zeit „als ein Heraustreten aus unserer Finsternis hin zum Licht des auferstandenen Christus verstehen“, sagte der Papst bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz.

„Fastenzeit bedeutet Buße, auch Abtötung. Aber das ist kein Selbstzweck, sondern es soll uns dazu bringen, mit Christus auferweckt zu werden, unsere Identität als Getaufte wieder zu entdecken und wieder neu „von oben“ – von der Liebe Gottes her – geboren zu werden (vgl. Joh 3,3). Darum ist die Fastenzeit ihrem Wesen nach eine Zeit der Hoffnung.“

Ein Beispiel für einen solchen Weg der Hoffnung sei der Exodus, der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, so Franziskus. „Gott hat sein Volk und seine Verheißung nicht vergessen: Er beruft Mose und führt das Volk mit starkem Arm aus einer Situation der Knechtschaft heraus. Gott gibt den Israeliten das Gesetz, damit sie ihn, ihren einzigen Herrn, zu lieben lernen und auch untereinander Liebe üben. Trotz der Prüfungen auf dem Weg macht das Volk immer wieder die Erfahrung, dass Gott die Seinen in das Land der Verheißung führen will.“

Der Papst machte darauf aufmerksam, dass die Heilige Schrift durchaus nicht die Härte des Exodus und des Durchzugs durch die Wüste verschweigt. Vierzig Jahre dauere die Wanderung – eine symbolische Zahl, die für „die Lebenszeit einer ganzen Generation“ stehe. „Diese Generation erliegt unterwegs angesichts der Prüfungen immer wieder der Versuchung, sich nach Ägypten zurückzusehnen und dorthin zurückzukehren. Auch wir kennen diese Versuchung, wieder umzudrehen, wir alle. Aber der Herr bleibt treu, und so kommen diese armen Leute unter der Führung des Mose ins Gelobte Land. Dieser ganze Weg ist ein Weg der Hoffnung: Hoffnung auf das Erreichen des Landes, Auszug aus der Sklaverei auf die Freiheit zu. Auch für uns sind diese vierzig Tage ein Ausgang aus der Sklaverei, der Sünde, hin zur Freiheit, zur Begegnung mit dem auferstandenen Christus.“

Denn auch das sei ja, so spann Franziskus den Faden weiter, „eine Art Auszug, ein Exodus“: das Paschaopfer Jesu, sein österliches Leiden und Sterben. Um diesen Weg zu gehen, habe Jesus sich „entäußert“, „er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (vgl. Phil 2,7-8). Damit habe er uns „von der Knechtschaft der Sünde befreit“.

„Aber das heißt nicht, dass er alles getan hat und dass wir gar nichts mehr machen müssen! Dass er das Kreuz auf sich genommen hat, aber wir sozusagen in der Kutsche ins Paradies einrollen können. Nein, das ist nicht gemeint! So ist das nicht. Unser Heil ist zwar wirklich sein Geschenk, aber weil das Ganze ja eine Liebesgeschichte ist, verlangt sie unser Ja und unsere Anteilnahme an seiner Liebe… Von dieser Dynamik lebt die Fastenzeit. Christus geht uns mit seinem Exodus voraus, und wir ziehen durch die Wüste, hinter ihm her.“

Für uns sei Jesus in Versuchung geführt worden, und mit ihm zusammen müssten auch wir uns den Versuchungen stellen. „Er gibt uns das lebendige Wasser seines Geistes, und wir müssen uns über seine Quelle beugen und trinken: in den Sakramenten, im Gebet, in der Anbetung... In diesem Sinn ist die Fastenzeit ein sakramentales Zeichen unserer Umkehr. Wer auf dem Weg der Fastenzeit ist, ist auf dem Weg der Umkehr! Von der Sklaverei zur Freiheit – ein Weg, der immer wieder neu zurückgelegt werden muss. Ein anstrengender Weg, doch – aber das ist schon richtig so. Weil Liebe nicht einfach zu haben ist. Aber eben ein Weg voller Hoffnung. Mehr noch: Ein Weg, auf dem die Hoffnung Form annimmt. Die ganze Mühe beim Durchqueren der Wüste... die Prüfungen, die Versuchungen, die Illusionen, die Fata Morgana... All das führt dann doch dazu, eine starke, robuste Hoffnung zu schmieden.“

(rv 01.03.2017 sk)

01/03/2017 11:09