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Mosaik-Künstler: „Kunst als gemeinsame Sprache der Christen“

Pater Rupnik in seinem Büro - RV

26/02/2017 07:30

Nur einen Steinwurf entfernt von der römischen Kirche Santa Maria Maggiore liegt das Centro Aletti. Hier lebt und arbeitet der Jesuit Marko Ivan Rupnik mit einer Kommunität aus Mitbrüdern, Künstlern, Schriftstellern, Theologen und Geistlichen Begleitern. Gegründet wurde das Zentrum 1991 auf Initiative von Papst Johannes Paul II., um den ökumenischen Dialog zwischen Katholiken und Orthodoxen voranzutreiben. Schnell war dem Mosaik-Künstler Rupnik, dem das Projekt anvertraut wurde, klar, dass es nicht nur um eine theologische Auseinandersetzung gehen kann, sondern dass der Dialog auf verschiedenen Ebenen geführt werden muss. Eine wichtige Ebene des Dialogs ist die Kunst.

„Das größte Mosaik ist unser Team“

In der Werkstatt des Centro Aletti entstehen Mosaike für verschiedene Kirchen, Kapellen und kirchliche Häuser. Es wird gemalt, gehämmert, gemeißelt. Auf den Tischen liegen Entwürfe und Unmengen verschiedenfarbiger Steine. Kleine und große Flächen werden parallel bearbeitet. Aber der handwerklich-künstlerischen Arbeit geht einer langer Prozess voran, erklärt der Jesuit: „Wenn ich eine Kirche betrete, in die mich ein Bischof eingeladen hat, um diese Kirche anzusehen, dann betrete ich die Kirche genauso, wie es ein geistlicher Begleiter in einem Begleitgespräch macht: Ohne persönliches Interesse, total frei.“ Rupnik hört zu und der erste Gedanke, die erste Vision, die ihm komme, sei dann meistens auch das, was am Ende in der Kirche entstehe. „In einem Augenblick sehe ich die fertige Kirche. In einem Augenblick. Dann beginnt die Arbeit.“ Diese Arbeit führt ihn aber nicht sofort in seinem roten Overall in die Werkstatt, sondern zum Studieren in sein Zimmer.

Besonders bei den Kirchenvätern und anderen Theologen des Ostens, sowie in Kunstbüchern sucht Rupnik Anregungen. Hauptquelle der Inspiration sei aber die Heilige Schrift. „Es reicht sich einmal meine Bibel anzuschauen. Man sieht schon an den Seiten, dass sie viel benutzt wird“, sagt Rupnik und blättert durch die dünnen Seiten, deren Ränder dicht mit Anmerkungen beschrieben sind. Auf diese Studien und Überlegungen folgt ein erster Entwurf und dann eine Zeichnung im Maßstab eins zu eins. Die Arbeit, die dann folgt, ist Teamwork. Das Team am Centro Aletti besteht aus 14 verschiedenen Nationen, aus griechischen und lateinischen Katholiken und Orthodoxen, der Jesuit beschreibt es: „Das ist für mich das größte Mosaik, das wir schon gemacht haben: Unser Team.“

„Beziehung zu schaffen ist die Aufgabe der Kunst“

Betrachtet man die Mosaiken, so fällt eine Sache besonders ins Auge: Die großen Augen der Figuren. Dafür hat Rupnik verschiedene Gründe, einer davon: die Bedeutung des Gesichtssinns in unserer Zeit, auch für den Glauben an Christus: „Wir haben die Epoche des Hörens überwunden. Um das Wort zu verkünden, müssen wir es sichtbar machen. Wir sind die Generation des Sehens.“ Außerdem werde man, wenn man eine Kirche betritt, auch Teil einer Gemeinschaft und es sei wichtig, dass man dann gesehen werde, „dass jemand auf mich aufmerksam wird.“ Ein weiterer Grund für die großen Augen ist, dass in den Augen die Person zur Geltung kommt: „Im Blick ist jeder persönlich“, drückt Rupnik das aus. Das Handwerkliche, das hinter den großen Augen steckt, ist biblisch inspiriert durch ein Wort aus Matthäusevangelium (6,22), in dem Jesus von dem  „gesunden“ Auge spricht. Im griechischen Text, den Rupnik zitiert, heißt es „einfach“ statt „gesund“. Für Rupnik bedeutet „einfach“, dass das Auge aus einem Stück, einem Moaikstein entsteht und nicht aus verschiedenen Stücken zusammengesetzt wird. Der einzelne dunkle Mosaikstein wird mit einem Hammer leicht bearbeitet. Dadurch spiegelt sich das Licht auf ganz besondere Weise in den Augen. Und das Licht ist für das Entstehen von Beziehung – ein Schlüssel zum Verständnis von Rupniks Kunst – entscheidend. Er nennt ein Beispiel: „Wenn du eine Person siehst, die dir in einem Moment schön erscheint, hat ein besonderes Licht sie durchströmt. Das kann ich nicht erklären und nicht beweisen. Aber ich kann diese Person nicht mehr vergessen. Eine Beziehung ist entstanden. Und das denke ich, ist die Aufgabe der Kunst.“

„Individualismus ist der Tod des Glaubens“

Immer wieder wird der Jesuit damit beauftragt, Mosaiken für Kirchen anzufertigen. Auch das Logo zum Jahr der Barmherzigkeit stammt von ihm. Was macht Rupniks Kunst so nachgefragt in unserer Zeit? Einerseits, so Rupnik, erlebe er es als Gnade Gottes von der er und die Gemeinschaft getragen würde. Andererseits versuche er mit seiner Kunst auch auf unsere Zeit zu antworten, die für ihn eine Epoche der großen Bilder sei: „Aber wir haben seit Jahrhunderten keine Theologie des Bildes mehr. Wir haben eine Theologie der Begriffe.“ Mit seinen Mosaiken will Rupnik, der aus Slowenien stammt, eine theologische Sprache zum Ausdruck bringen, die für möglichst viele verständlich ist. „Ich versuche heute eine Kunst zu schaffen, die so existentiell und so einfach ist, dass sie die Basis für eine gemeinsame christliche Sprache schafft. Denn der Individualismus ist der Tod des Glaubens.“

Im deutschsprachigen Raum gibt es bisher nur eine Kapelle, die von Rupnik gestaltet wurde. Sie gehört zum katholischen Bildungshaus Tainach. Ein Eindruck von den Bildern findet sich auch auf der Webseite des Centro Aletti.

(rv 26.02.2017 dh)

26/02/2017 07:30