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Hirtenwort der deutschen Bischöfe zu Ehe und Familie

Inspiration und Text zum Vertiefen: Amoris laetitia - AP

01/02/2017 12:00

Die deutschen Bischöfe wollen die Ehe- und Familienpastoral neu ausrichten. Dabei buchstabieren sie Vorschläge des Papstschreibens Amoris laetitia für die deutsche Praxis durch. Mit Amoris laetitia hatte Papst Franziskus im April letzten Jahres einen synodalen Weg der Kirche zum Thema Ehe und Familie abgeschlossen.

Ausführlich beschäftigen sich die deutschen Bischöfe mit dem Scheitern von Ehen. Zwar gehöre die Unauflöslichkeit der Ehe „zum unverzichtbaren Glaubensgut der Kirche“, doch zugleich sollten „die Betroffenen“ erfahren, „dass ihre Kirche sie nicht fallen lässt“: eine Einladung zur Gratwanderung. Oder in der Terminologie von Papst Franziskus: zur Unterscheidung.

„Im Umgang mit den wiederverheiratet Geschiedenen muss deutlich werden, dass sie zur Kirche gehören, Gott ihnen seine Liebe nicht entzieht und sie gerufen sind, die Gottes- und Nächstenliebe zu praktizieren und echte Zeugen Jesu Christi zu sein.“

Wiederverheiratete in Einzelfällen zu den Sakramenten zulassen

In Einzelfällen könnten Geschiedene, die wiedergeheiratet hätten, zu Beichte und Kommunion zugelassen werden. Doch eine solche Entscheidung dürfe nicht leichtfertig getroffen werden; sie brauche genaue Selbstprüfung und einen von einem Seelsorger begleiteten „Prozess der Entscheidungsfindung“. „Am Ende eines solchen geistlichen Prozesses ... steht nicht in jedem Fall der Empfang der Sakramente von Buße und Eucharistie. Die individuelle Entscheidung, unter den jeweiligen Gegebenheiten nicht oder noch nicht in der Lage zu sein, die Sakramente zu empfangen, verdient Respekt und Achtung. Aber auch eine Entscheidung für den Sakramentenempfang gilt es zu respektieren. Zu vermeiden sind sowohl die Haltung eines Laxismus ohne intensives Hinsehen ... als auch eine rigoristische Haltung“.

Papst Franziskus’ „Leitvorstellung von Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern“ bedeutet für Seelsorger wie Gläubige „einen hohen Anspruch“, urteilen die deutschen Bischöfe. Doch in allen Situationen von Krise, Scheitern und Versagen „sollen die Menschen erfahren können, dass die Kirche sie begleitet und einlädt, mit ihr unterwegs zu sein“.

Für die Entwicklung eines Ehekatechumenats

Beredt werben die Bischöfe für eine Lektüre des Schreibens Amoris laetitia. Franziskus habe in dem Text „die Gedanken und Überlegungen (von zwei Bischofssynoden) mit der Botschaft der Bibel, der Tradition der Kirche und mit seiner eigenen seelsorgerlichen Erfahrung zu einer überzeugenden Einheit verwoben“. Die „alltagsnahe und lebensbejahende Sprache“ mache den Papst-Text „zu einer inspirierenden Quelle für das Leben von Ehe und Familie“.

Konkret schlagen die deutschen Bischöfe mehr Anstrengungen bei der Ehevorbereitung vor. Ziel sei die „Entwicklung eines Ehekatechumenats, der den Weg zur Ehe als bewussten Glaubensweg begleitet“. Bisherige Initiativen in diesem Bereich seien oft „zu punktuell“ und erreichten „zu wenige Paare“.

Außerdem sollten Ehepaare von der Kirche besser begleitet werden. Natürlich sei es „wichtig“, über die „Sinnhaftigkeit“ des Ehesakraments zu predigen, doch genüge es nicht, „sich auf die Verkündigung von Prinzipien zurückzuziehen“. Paare und Familien hätten es heute in vielerlei Hinsicht schwer, entsprechend breit müsse das „Hilfeangebot“ aufgestellt sein. „Nur so kann Kirche menschenfreundlich und hilfsbereit im Alltag der Menschen erlebt werden.“

Familie als Schule des Glaubens

Eine „besondere Herausforderung“ sind für die Bischöfe die „in unserem Land sehr zahlreichen konfessionsverbindenden Ehen“; dass solche Paare nicht gemeinsam zur Kommunion gehen dürften, sei schmerzlich. Andererseits bedeuteten solche Ehen aber auch eine „Chance“ für die Ökumene.

Die Bischöfe ermuntern Familien auch dazu, eine kleine „Schule des Glaubens“ zu sein: „Die Gestaltung religiöser Elemente und Rituale im Familienleben braucht nicht das Außergewöhnliche, sondern die Nähe zum Alltag.“

(rv/dbk 01.02.2017 sk)

01/02/2017 12:00