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Papstmesse: Autorität kommt von Demut, Nähe und Kohärenz

Kapelle Santa Marta

10/01/2017 13:13

Jesus hat seine Autorität der Tatsache zu verdanken, dass er den Menschen diente, ihnen nahe war und Kohärenz lebte, während die Schriftgelehrten sich zwar als Autoritätspersonen fühlten, aber keine wahre Vollmacht über die Gläubigen hatten. Das betonte Papst Franziskus bei seiner Morgenmesse in der Kapelle seiner Residenz Casa Santa Marta an diesem Dienstag.

Der Papst kritisierte in seiner Predigt den Klerikalismus, mit dem die Pharisäer lehrten, und die Inkohärenz zwischen ihren Worten und ihrem Handeln. Sie seien den anderen Menschen nicht nahe gewesen und hätten sich ihnen überlegen gefühlt. Die Autorität Jesu hingegen sei real, so der Papst in Betrachtung des heutigen Evangeliums, in dem die Menschen betroffen seien, weil Jesus predige wie einer, der tatsächlich „göttliche Vollmacht“ hat, und „nicht wie die Schriftgelehrten“.

Die Demut, die Autorität verleiht

Dies legte der Papst weiter aus und benannte die drei Charakteristiken, die die Autorität Jesu von derjenigen der Pharisäer abhebt: Während Jesus „mit Demut lehrte“ und seinen Jüngern ans Herz legte, sich klein zu machen und der Diener aller zu sein, fühlten sich die Schriftgelehrten als „Herrscher“.

„Jesus diente den Menschen, er erklärte ihnen die Dinge, damit sie sie gut verstünden: er war den Menschen zu Diensten. Er legte das Verhalten eines Dieners an den Tag, und das gab ihm Autorität. Diese Schriftgelehrten hingegen, denen die Menschen – nunja – zuhörten, die sie respektierten, die fühlten sich wie Prinzen. ,Wir sind die Lehrer, die Herrscher, und wir lehren euch.` Nicht Dienst: ,Wir befehlen, und ihr gehorcht.´“

Die Nähe Jesu zu den Menschen

Es sei also die Nähe zu den Menschen, die Autorität verleiht, so der Papst über das zweite Wesensmal, das die göttliche Vollmacht Jesu in Unterschied zu den Schriftgelehrten bedinge. „Jesus reagierte nicht allergisch auf die Menschen: die Leprakranken und Kranken zu berühren, erzeugte keinen Ekel in ihm“, erklärte Franziskus, während die Pharisäer sich von den „armen Menschen, den Ignoranten“, abwandten und lieber gut gekleidet auf den Plätzen spazieren gingen:

„Sie waren den Menschen fern, nicht nah; Jesus war den Menschen äußerst nah, und das gab ihm Autorität. Die Fernen, diese Gelehrten, hatten einen klerikalistischen Sinn: Sie lehrten mit einer klerikalistischen Autorität.“ Er selbst fühle sich stark angesprochen durch die Nähe, die der Selige Paul VI. in Evangelii Nuntiandi (1975) den Menschen gegenüber an den Tag lege. Insbesondere in Absatz 48 sehe man das „Herz des nahen Hirten“, so Franziskus: „Dort sitzt die Autorität dieses Papstes, die Nähe. Erster, Diener, zu Diensten und in Demut: der Herrscher ist derjenige, der dient, alles umstürzt, wie einen Eisberg. Vom Eisberg sieht man die Spitze, hingegen Jesus stürzt alles um und sein Volk sitzt oben und er, der herrscht, ist unten und von unten aus herrscht er.“

Drittes Merkmal: Die Kohärenz

Doch ein drittes Merkmal, das die Autorität Jesu über die der Schriftgelehrten stelle, sei die Kohärenz. Jesus „lebte das, was er predigte”: das war „wie eine Einheit, eine Harmonie, zwischen dem was er dachte, fühlte, tat.” Während diejenigen, die klerikalistische Züge an den Tag legten, scheinheilig sein: eine Sache sagen und eine andere tun.

„Diese Leute hingegen waren nicht kohärent und ihre Persönlichkeit war bis zu dem Punkt gespalten, dass Jesus seinen Jüngern riet: ,Tut das, was sie euch sagen, aber nicht das, was sie tun.´ Sie lehrten das eine aber taten das andere. Inkohärenz. Sie waren inkohärent. Und die Bezeichnung, die Jesus ihnen oft gibt, ist scheinheilig. Und man versteht, dass einer, der ein klerikalistisches Verhalten an den Tag legt und scheinheilig ist, keine Autorität hat!“ Er spreche vielleicht Wahrheiten aus, so Franziskus, doch er habe keine Autorität. „Jesus hingegen, der demütig ist, der zu Diensten und nah ist, der die Menschen nicht verachtet und kohärent ist, hat Autorität. Und das ist die Autorität, die das Gottesvolk spürt.“

(rv 10.01.2017 cs)

10/01/2017 13:13