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Kolumbien: Papst verhandelt mit Santos und Uribe

Der Papst mit Uribe und Santos - REUTERS

16/12/2016 14:32

Ein ungewöhnlicher Friedensgipfel für Kolumbien hat an diesem Freitag im Vatikan stattgefunden. Präsident Manuel Santos und sein erbittertster Gegner (und Vorgänger) Álvaro Uribe haben mit dem Papst über den schwierigen Friedensprozess in Kolumbien gesprochen – erst getrennt und dann zusammen. Die Audienz, bei der Franziskus mit den beiden Politikern zusammensass, dauerte eine knappe halbe Stunde.

Dass Santos, Träger des Friedensnobelpreises 2016, auf seiner Europatournee auch dem Papst seine Aufwartung machen würde, war schon länger bekannt; schließlich steht der lateinamerikanische Papst offen hinter den Friedensbemühungen in Kolumbien. Ungewöhnlich ist aber, dass Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin den Santos-Kritiker Uribe telefonisch bat, ebenfalls nach Rom zu kommen. Uribes Kampagne hatte unlängst dafür gesorgt, dass der von Santos mit den FARC-Rebellen ausgehandelte Friedensvertrag bei einer Volksabstimmung scheiterte.

Fotos von Freitagmittag zeigen Santos und Uribe, wie sie Seite an Seite dem Papst gegenübersitzen. Uribe war Santos’ Vorgänger im Amt des Staatspräsidenten und wurde von seinem Förderer zu seinem Hauptgegner; er sagte hinterher, er habe Santos bei dem Gespräch um weitere Änderungen am Friedensvertrag mit der FARC gebeten.

Vatikan: Frieden muss stabil und dauerhaft sein

Nach Darstellung des Vatikans hat Franziskus die beiden Politiker zu einem „ehrlichen Dialog unter allen Akteuren der kolumbianischen Gesellschaft“ ermuntert. Eine „Kultur der Begegnung“ sei angesichts „dieses historischen Moments“ besonders wichtig. Ein Friede müsse nach einem halben Jahrhundert des Bürgerkriegs im Land „stabil und dauerhaft“ sein – in diesem Punkt seien sich die Gesprächspartner einig gewesen. Die politischen Kräfte Kolumbiens sollten zusammenstehen, so der Vatikan, und die bisherigen Rebellen sollten sich an die von ihnen eingegangenen Versprechungen halten. Die kolumbianische Kirche sei auch künftig bereit, zu „nationaler Versöhnung und zu einer Vergebungs-Erziehung beizutragen“.

Eine modifizierte Form des ursprünglich beim Referendum abgelehnten Vertrags ist bereits in Kraft getreten. Trotzdem reißt die Kritik an dem Text nicht ab. Papst Franziskus denkt über eine mögliche Reise nach Kolumbien im nächsten Jahr nach.

(rv 16.12.2016 sk)

16/12/2016 14:32