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Papst in Georgien: Ethnische Vielfalt als Chance

Papst Franziskus in Georgien - ANSA

30/09/2016 14:17

Papst Franziskus ist am Freitagnachmittag zu einer zweitägigen Visite im georgischen Tiflis gelandet. Auf dem Flughafen der Hauptstadt wurde er von Staatspräsident Giorgi Margwelaschwili und dem georgisch-orthodoxen Patriarchen Ilia II. willkommen geheißen. Franziskus begrüßte den 83-jährigen Patriarchen mit einem dreifachen Bruderkuss. Das Verhältnis der georgisch-orthodoxen Kirche zu anderen christlichen Kirchen gilt als schwierig.

Bei seiner ersten Ansprache vor den staatlichen Vertretern in Georgien rief Franziskus zu gegenseitiger Wertschätzung und Rücksichtnahme der verschiedenen Gruppen und Ethnien der Region auf. Die ethnischen, sprachlichen, politischen oder religiösen Unterschiede in der Region dürften keinesfalls als Vorwand gebraucht werden, um „Divergenzen in Konflikte und Konflikte in endlose Tragödien zu verwandeln“, sondern „kann und muss für alle ein Quell gegenseitiger Bereicherung zum Nutzen des Gemeinwohls sein“, so Franziskus vor Vertretern des öffentlichen Lebens, der Regierung dem Diplomatischen Korps im Innenhof des Präsidentenpalasts in Tiflis.

„Das verlangt, dass jeder seine eigenen Besonderheiten voll entfalten und fruchtbar machen kann, indem er vor allem die Möglichkeit besitzt, in seinem Land zu wohnen oder frei dahin zurückzukehren, wenn er aus irgendeinem Grund gezwungen war, es zu verlassen. Ich hoffe, dass die öffentlichen Verantwortungsträger sich die Situation dieser Menschen weiterhin zu Herzen nehmen und sich in der Suche nach konkreten Lösungen – auch über die offenen politischen Fragen hinaus – engagieren.“

Das schließe auch die Achtung der souveränen Sonderrechte jedes Landes im Rahmen des internationalen Rechtes mit ein, betonte Franziskus. Georgien gilt seit Jahrhunderten als Vielvölkerstaat, dessen ethnische Vielfalt durch die Zwangsumsiedlungen der stalinistischen Phase noch einmal zugenommen hat. Seit 2008 erkennt Russland die von Tiflis abtrünnigen Gebiete Südossetien und Abchasien, die von Russland militärisch unterstützt werden, als unabhängige Staaten an. Völkerrechtlich gehören sie weiter zu Georgien. Auch um einen Interessenausgleich zwischen den ethnischen Minderheiten der Aserbeidschaner, Armenier und Russen wird gerungen.

Georgien, so Franziskus, sei durch seine geographische Lage eine natürliche Brücke zwischen Europa und Asien, ein Scharnier, das die Kommunikationen und die Beziehungen zwischen den Völkern erleichtere und im Laufe der Jahrhunderte sowohl den Handel als auch den Dialog und den Vergleich der Ideen und Erfahrungen zwischen verschiedenen Welten ermöglicht habe.

„Tatsächlich scheint an allzu vielen Orten der Erde eine Mentalität vorzuherrschen, die es erschwert, die legitimen Unterschiede und Gegensätze – die immer aufkommen können – in einem Rahmen der Gegenüberstellung und des zivilen Dialogs zu halten, wo Vernunft, Mäßigung und Verantwortlichkeit überwiegen. Das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt umso notwendiger, da es nicht an gewalttätigen Extremismen fehlt, die Prinzipien ziviler und religiöser Art manipulieren und verzerren, um sie für dunkle Vorhaben von Unterjochung und Tod zu nutzen.“

In dem christlichen Land, das durch die heilige Nino bereits seit dem 4. Jahrhundert christianisiert worden sei, wolle die katholische Kirche ihren Beitrag leisten zum dauerhaften Frieden, Gerechtigkeit und Stabilität.

„Die katholische Kirche – die seit Jahrhunderten in diesem Land gegenwärtig ist und sich besonders durch ihren Einsatz auf dem Gebiet der menschlichen Förderung und der karitativen Werke hervorgetan hat – teilt die Freuden und die Sorgen des georgischen Volkes und beabsichtigt, durch aktive Zusammenarbeit mit den Verantwortungsträgern und der Zivilgesellschaft zum Wohlergehen und zum Frieden der Nation beizusteuern. Ich wünsche mir von Herzen, dass sie auch weiterhin ihren authentischen Beitrag zum Wachstum der georgischen Gesellschaft einbringt durch das gemeinsame Zeugnis der christlichen Tradition, die uns vereint, durch ihren Einsatz für die Ärmsten und durch einen erneuerten und vermehrten Dialog mit der angestammten orthodoxen georgischen Kirche und den anderen Religionsgemeinschaften des Landes. Gott segne Georgien und schenke ihm Frieden und Wohlstand!“

Hier finden Sie die Papstansprache im Volltext.

(rv/kap/nzz 30.09.2016 cz)

 

30/09/2016 14:17