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Papst wünscht sensiblen Umgang mit Wiederverheirateten

Papst Frnaziskus schickt ein Lob an argentinische Bischöfe - EPA

13/09/2016 12:00

Papst Franziskus lobt argentinische Bischöfe für ihr Vorgehen im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Nach einem langen Prozess der Unterscheidung und Begleitung können die betroffenen Gläubigen im Einzelfall wieder zur Beichte und zum Empfang der Eucharistie zugelassen werden, heißt es in einer Handreichung der Bischöfe der Region Buenos Aires für ihre Priester. Ein „unbegrenzter Zugang zu den Sakramenten“ sei damit nicht gemeint, es gehe vielmehr und Entscheidungen im Einzelfall, betonen die Bischöfe.

Diese Handreichung der argentinischen Bischöfe werde „sehr gut tun“, besonders wegen ihres Sinns für „seelsorgerliche Nächstenliebe“, lobte Franziskus nun in einem Brief, aus dem die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ zitiert. Der Text sei ganz auf der Linie seiner Exhortation „Amoris laetitia“ und lege das 8. Kapitel richtig aus; „eine andere Interpretation gibt es nicht“, stellt der Papst in seinem Brief klar. Das 8. Kapitel von „Amoris laetitia“ behandelt unter dem Titel „die Zerbrechlichkeit begleiten, unterscheiden und eingliedern“ den Umgang mit katholischen Gläubigen in irregulären Familiensituationen.

Wesentlich: eine ringende Sorge aus nächster Nähe

Franziskus erläutert in seinem Brief nach Buenos Aires auch seinen Begriff von „seelsorgerlicher Nächstenliebe“: Das sei eine „ringende“ Sorge aus nächster Nähe, die sich nicht erschöpfe in „schematischer, organisatorischer oder juristischer Vermittlung“ nach Art eines Maklers. Auch sollen die Priester die seelsorgliche Haltung des Unterscheidens stärker einüben, empfiehlt der Papst. Von den vier seelsorgerlichen Haltungen, die Franziskus aufzeigt – aufnehmen, begleiten, unterscheiden und miteinbeziehen – ist seiner Beobachtung nach das Unterscheiden die am wenigsten praktizierte. Deshalb regt der Papst an, angehende Priester in dieser Disziplin besser auszubilden.

In ihrer Handreichung „Grundkriterien zur Anwendung des 8. Kapitels von Amoris laetitia” („Criterios básicos para la aplicación del capítulo VIII de Amoris laetitia”) betonen die Bischöfe der Region Buenos Aires, eine Zulassung zu den Sakramenten könne nichts anders als das Ergebnis eines gründlichen Unterscheidungsprozesses im Einzelfall sein. Der Priester müsse diesen Weg „persönlich und seelsorgerlich“ begleiten. Einen Automatismus gebe es keineswegs: Nicht immer stehe am Ende des Wegs der Zugang zu den Sakramenten. Denkbar sei auch beispielsweise, dass die betroffenen Gläubigen wieder mehr am Leben der Kirche teilhaben, etwa in Gebets- und Meditationskreisen oder in verschiedenen kirchlichen Diensten. Papst Franziskus hatte beim Weltfamilientreffen in Philadelphia das Beispiel eines solchen Paares öffentlich gelobt.

Wiederverheirateten Geschiedenen soll nach Möglichkeit ein Zusammenleben in sexueller Enthaltsamkeit empfohlen werden, empfehlen die argentinischen Bischöfe ihren Priestern. Dies sei aber nicht immer ein gangbarer Weg, wie die Oberhirten einräumen.  Wenn etwa die Schuld der Betreffenden klein sei oder ein Schaden für die Kinder aus der neuen Beziehung drohe, eröffne „Amoris laetitia" die „Möglichkeit des Zugangs zu den Sakramenten der Versöhnung und der Eucharistie", schreiben die Bischöfe.

Vorsicht vor Skandalen: Sakramente lieber diskret spenden

Dies sei jedoch weder als unbeschränkter Zugang zu den Sakramenten zu verstehen, noch in jeder Situation gerechtfertigt. Eine Rolle spiele beispielsweise die Dauer der neuen Bindung, wiederholtes Scheitern von Beziehungen oder die Bewertung der eigenen Lebenssituation.

Wichtig sei eine Gewissensprüfung der Betreffenden. Im Fall von „nicht gelösten Ungerechtigkeiten" sei ein Sakramentenempfang „besonders anstoßerregend". Ratsam könne es auch sein, die Sakramente im Fall des Falles mit besonderer Diskretion zu spenden, besonders wenn Konflikte zu erwarten seien. Auch ein Klima des Verstehens und der Offenheit dürfe keine „Verwirrung hinsichtlich der Lehre der Kirche über die unauflösliche Ehe" schaffen, zitiert der „Osservatore“ die argentinischen Bischöfe.

 

(rv/kna 13.09.2016 gs)

13/09/2016 12:00