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Mit der Schöpfung beten: Papstvesper zum Gebetstag

Feierliche Vesper in Sankt Peter - AFP

01/09/2016 16:51

Die Schöpfung ist nicht nur Grund zur Sorge, sondern auch Anlass zum Lob Gottes: Ein Gedanke des Franz von Assisi, der im Zentrum der Vesper stand, welche Papst Franziskus an diesem Donnerstag anlässlich des Weltgebetstages für die Schöpfung feierte. Der Papst hatte anlässlich der Enzyklika Laudato Si’ im vergangenen Jahr die Initiative der orthodoxen Kirchen aufgegriffen, welche den 1. September als Gebetstag für die Schöpfung begehen. Und auch bei der Vesper gab es starke ökumenische Beteiligung, Repräsentanten der großen Christlichen Kirchen feierten mit. Aber auch die Politik war vertreten, so war etwa Baden-Würtembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann dabei.

Die Predigt während der Vesper hielt Pater Raniero Cantalamessa, der offizielle Prediger des Päpstlichen Hauses. Er fragte danach, warum wir Menschen uns selber als über der Schöpfung stehend betrachteten. Die Antwort liege in der Schöpfung, der Mensch sei ausdrücklich als Abbild Gottes geschaffen. Die Folge sei aber nicht Herrschaft, sondern Dienst, schloss er daraus: „Die Überlegenheit des Menschen ist also nicht Triumphalismus, sondern Annahme und Verantwortlichkeit gegenüber den Schwachen, den Armen, den Wehrlosen. Das einzige, was sie haben, ist ihre menschliche Existenz. Der Gott der Bibel – aber auch anderer Religionen – ist ein Gott, der den Schrei der Armen hört, der mit den Schwachen und Armen Mitleid hat, der die Wehrlosen verteidigt, der die Unterdrücker besiegt, der nichts verneint, was der Schöpfung angehört.“

Schöpfung und Armut

Diese Verbindung der Armutsfrage mit der Schöpfung ziehe auch der Papst, in seiner Enzyklika Laudato Si’ stelle er Armut und Zerbrechlichkeit des Planeten auf die gleiche Stufe, so Cantalamessa. Die Dinge hingen zusammen, und doch gebe es noch einen weiteren Aspekt, der besonders in der gefeierten Vesper eine Rolle spielen sollte.

„Es gibt viele Aufgaben die der Mensch gegenüber der Natur zu erfüllen hat. Viele davon sind dringend: Das Wasser, die Luft, das Klima, die Energie, die Verteidigung der Arten, alles dies ist in Gefahr. Aber es gibt eine Pflicht gegenüber der Schöpfung, vor allem für das Gespräch unter uns Christen, ein Pflicht, die heute im Mittelpunkt unseres Gebetes liegt. Diese Pflicht ist die Verherrlichung Gottes für seine Schöpfung.“ Auch das sei Teil der Ökologie, eben der christlichen Ökologie, so der Kapuziner.

Respekt vor allen Geschöpfen

In Franz von Assisi werde das sehr deutlich, er bete in seinem Sonnengesagt nicht „für“ die Schöpfung, sondern mit ihr, es ist ein Lobgesang. „Und gerade von daher kam sein außerordentlicher Respekt gegenüber allen Geschöpfen – sogar für die wilden Kräuter bat er um einen Lebensraum.“ Das sei die Haltung, die Christen einnehmen sollten, aus dieser Haltung heraus käme man zur Würdigung und dann zur  Sorge um die Schöpfung.

 

An diesem Donnerstag hatte der Vatikan auch eine ausführliche Botschaft des Papstes zum Weltgebetstag für die Schöpfung vorgestellt: „Erweisen wir unserem gemeinsamen Haus Barmherzigkeit“.

(rv 01.09.2016 ord)

 

01/09/2016 16:51