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Papstpredigt: Lohndumping ist Todsünde!

Der Papst an diesem Donnerstag bei der Frühmesse - OSS_ROM

19/05/2016 12:33

Seinen eigenen Reichtum auf der Ausbeutung anderer aufzubauen, ist „Blutsaugertum” und Todsünde. Das sagte Papst Franziskus an diesem Donnerstag in der Morgenmesse in der vatikanischen Casa Santa Marta.

Er nahm vor allem die in Italien, aber auch anderen Ländern weit verbreitete Unsitte aufs Korn, befristete Verträge anzubieten, die keinerlei Pensionsansprüche und soziale Sicherheit bieten. Dieses sogenannte Lohndumping sei modernes Sklaventum, das aufs Schärfste zu verurteilen sei. „Denken wir nur im Hier und Heute: Auf der ganzen Welt passiert das gleiche. ,Ich will arbeiten’ – gut; sie bieten dir einen Vertrag an. Von September bis Juni. Ohne die Möglichkeit einer Rente, ohne Krankenversicherung… Im Juni setzen sie den Vertrag aus,, im Juli und August muss der Arbeitnehmer Luft essen. Und im September bekommt er den Vertrag wieder. Die, die das machen, sind wahre Blutsauger und leben von den Blutspenden der Menschen, die sie zu Arbeitssklaven machen!“

Die Praxis der befristeten Arbeitsverträge, die den Arbeitnehmer insbesondere über die Sommermonate ohne Gehalt und Broterwerb lassen, hat in Italien bis in den Staatsdienst Einzug gehalten. Sogar Aushilfslehrer müssen für die Sommermonate Arbeitslosenunterstützung beantragen, die in den seltensten Fällen zeitnah und in ausreichendem Maße bewilligt wird. Diese Unsitte werde bereits in der Bibel verurteilt, sagte der Papst und bezog sich auf die Lesung des Tages aus dem Jakobusbrief, in dem „die Schreie“ der Arbeiter bis zu Gott hallen. „Der Reichtum an sich ist etwas Gutes“, stellte der Papst klar, aber er sei relativ zu sehen, nicht absolut. Es sei falsch, eine „Theologie des Wohlstands“ zu entwickeln nach dem Motto: „Gott zeigt dir, dass du würdig bist, wenn er dir viel Reichtum gibt“.

„In der Audienz gestern haben wir über den reichen Mann und Lazarus meditiert. Dieser Reiche lebte in seiner Welt, er merkte gar nicht, dass es auf der anderen Seite seiner Tür jemanden gab, der Hunger litt. Aber das hier ist schlimmer: Menschen zu einem Hungerlohn arbeiten zu lassen, um selbst Profit daraus zu ziehen. Vom Blut dieser Menschen leben. Das ist Todsünde! Und es braucht sehr viel Reue, es muss sehr viel rückerstattet werden, um sich von dieser Sünde loszukaufen.”

Das sei, so wiederholte Franziskus, moderne Sklaverei. Zwar führe man dazu nicht nach Afrika, um Sklaven für Amerika zu bekommen, doch die Sklaverei geschehe hier und jetzt, in unseren Städten und vor unseren Augen. „Denken wir an das heutige Drama: das Ausbeuten der Menschen, das Blut dieser Menschen, die Sklaven werden, die Menschenhändler, und darunter nicht nur die, die Prostituierte und Kinder für Kinderarbeit verkaufen, sondern dieser sozusagen ,zivilisierte’ Menschenhandel: Ich bezahle dich bis hierher, ohne Ferien, ohne Krankenversicherung, ohne… Alles schwarz… Aber ich werde reich! Möge der Herr uns verstehen lassen, was uns Jesus im heutigen Evangelium sagt: Ein Glas Wasser im Namen des Herrn ist wichtiger als alle Reichtümer, die auf Ausbeutung beruhen.“

(rv 19.05.2016 cs)

19/05/2016 12:33