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Migrationsforscher: „Wir müssen lernen, zu teilen“

Flüchtlinge in Idomeni (Griechenland) - AFP

01/05/2016 07:00

„Die sogenannte Flüchtlingskrise ist in Wahrheit eher eine Weltkrise, die ihre Opfer vor die Tore der Festung Europa treibt.“ Das sagt Klaus Bade, der große alte Mann der Migrationsforschung in Deutschland. Bade ist Jahrgang 44 und von Haus aus Historiker; er gründete unter anderem den deutschen „Rat für Migration“. Mitte April hielt er den Hauptvortrag bei der Einrichtung eines „Zentrums Flucht und Migration“ an der Katholischen Uni Eichstätt. Dabei betonte er, die jetzige Situation sei „nicht wie ein Gewitter über uns gekommen“. Bade verwies auf zahlreiche Veröffentlichungen, Mahnungen und Warnungen aus der Wissenschaft der vergangenen Jahrzehnte und konstatierte ein langes Versagen der Politik.

Zum jetzigen Stand der „sogenannten Flüchtlingskrise“ in Deutschland und Europa zeichnet der Forscher ein ambivalentes Bild. Auf der einen Seite die Bürgergesellschaft, die sich in einer nie dagewesenen humanitären Bewegung für die ganz konkrete Lage der Migranten engagiert. Und auf der anderen Seite die immer schärfere Abriegelung der Festung Europa gegen Flüchtende, auch weit vor ihren Grenzen.

Dass Europa nur seine Grenzen vor den Schutzsuchenden verriegelt, ohne in ihren Herkunftsländern wirklich etwas Spürbares gegen die Fluchtursachen, hält Bade für einen historischen Skandal, an dem spätere Zeiten das Humanitätsverständnis Europas im frühen 21. Jahrhundert messen werden. Das Urteil der Zukunft über unsere Gegenwart werde, so sagt er voraus, ein verheerendes sein.

Es seien regional und international abgestimmte Strategien notwendig. „Solange nicht an den Fluchtursachen gearbeitet werde, ist die reine Abwehr von Flüchtlingen ein Skandal. Wir müssen lernen, zu teilen. Bloß zu spenden, heißt noch nicht zu teilen“, sagte Bade.

(kath. uni eichstätt online/rv 29.04.2016 sk)

01/05/2016 07:00