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Papst: Jesus trennt nicht nach Sprache, Nation oder Kultur

Verehrung des Kindes: Papst Franziskus bei der Messfeier - AFP

06/01/2016 10:00

Die Sterndeuter sind das lebendige Zeugnis dafür, dass die Samen der Wahrheit auf der ganzen Welt vorhanden sind. Das sagte Papst Franziskus in seiner Predigt zum Fest der Erscheinung des Herrn, das am Mittwoch in einer Messe im Petersdom gefeiert wurde. Die Sterndeuter, von denen im Tagesevangelium nach Matthäus die Rede sei, stünden für die Menschen in allen Teilen der Erde, die im Haus des Vaters aufgenommen werden. „Bei Jesus gibt es keine Trennung mehr aufgrund der Nation, der Sprache und der Kultur“, so Franziskus in seiner Predigt. „In diesem Kind findet die ganze Menschheit ihre Einheit.“

Die Kirche wiederum habe die Aufgabe, den Wunsch eines jeden nach Gott zu erkennen. Wie die Sterndeuter lebten auch heute viele Menschen mit einem „unruhigen Herzen“, das weiter frage, ohne sichere Antworten zu finden. „Auch sie sind auf der Suche nach dem Stern, der ihnen den Weg nach Bethlehem zeigt.“

In der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja, Tageslesung während des Gottesdienstes, heiße es: „Auf, werde Licht, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir“ (Jes 60,1). Diese Worte des Propheten Jesaja an die heilige Stadt Jerusalem seien ein Aufruf, hinauszugehen aus unserer Verschlossenheit, hinauszugehen aus uns selbst, und den Glanz des Lichtes anzuerkennen, das unser Dasein erleuchte, so der Papst in seiner Predigt.

Die Kirche dürfe sich nicht einbilden, von eigenem Licht zu leuchten. Daran erinnere der heilige Ambrosius, wenn er den Mond als Metapher für die Kirche gebraucht: „Mit Recht gleicht die Kirche dem Mond: […] sie leuchtet nicht im eigenen, sondern im Licht Christi und entlehnt ihren Glanz von der Sonne der Gerechtigkeit, so dass sie sagen kann: ‚Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir‘“.

Das Evangelium Christi zu verkünden sei nicht eine Entscheidung unter den vielen anderen und es sei auch kein Beruf, so Franziskus. „Für die Kirche heißt missionarisch zu sein nicht, Proselytismus zu betreiben, also die Andersglaubenden bekehren zu wollen; für die Kirche bedeutet missionarisch zu sein, ihr eigenes Wesen zum Ausdruck zu bringen: von Gott erleuchtet werden und sein Licht zurückstrahlen.“

Am Himmel gebe es viele Sterne, dennoch seien die Sterndeuter einem anderen, neuen Stern gefolgt, der für sie viel stärker leuchtete. Den Menschen tue es gut, auch heute die Frage der Sterndeuter zu wiederholen: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ (Mt 2,2). In einer Zeit wie der unsrigen seien die Menschen aufgerufen, auf die Zeichen Gottes zu achten. „Folgen wir dem Licht, das Gott uns anbietet!”, so Franziskus. „Und wenn wir einmal zu ihm gelangt sind, beten wir ihn mit ganzem Herzen an und bringen wir ihm unsere Gaben dar: unsere Freiheit, unseren Verstand, unsere Liebe.“

(rv 06.01.2016 cz)

06/01/2016 10:00