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Afrikanische Blogger werben für politisches Bewusstsein

Burkina Faso feierte eine politische Kehrtwende nach der ersten freien Präsidentenwahl nach Jahrzehnten - EPA

04/12/2015 11:37

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch vergangene Woche in der Zentralafrikanischen Republik die Jugendlichen dazu ermahnt, dass Flucht keine Lösung sei. Er rief sie dazu auf, nicht vor ihren Problemen wegzulaufen, sondern für den Frieden zu kämpfen. Positives Beispiel für Bürgerengagement ist in diesen Tagen Burkina Faso. Dort wurde am Sonntag nach 27 Jahren ein neuer Präsident gewählt – auch dank vieler Aufrufe im Netz. Die Neuen Medien spielen nicht zuletzt seit der Arabellion in afrikanischen Ländern eine zunehmend wichtige Rolle für die politische Meinungsbildung. Das sagte auch die Bloggerin Souleymane Ouedrago aus Burkina Faso im Gespräch mit Radio Vatikan.

Sie nennen sich „Afriactivistes“, wurden ursprünglich in der senegalesischen Hauptstadt Dakar gegründet und agieren nun in 35 Ländern: Der Verband der afrikanischen Blogger. Mithilfe sozialer Netzwerke tauschen sie sich aus und werben bei den Bevölkerungen für mehr politisches Bewusstsein. So auch in Burkina Faso, das vor wenigen Tagen einen neuen Präsidenten gewählt hat. Souleymane Ouedrag ist Sprecherin von Balai Citoyen, einem Ableger der Bloggerbewegung in Burkina Faso. Für die Wahlen starteten sie und ihre Kollegen die Kampagne „Je vote et je reste“, „Ich wähle und ich bleibe standhaft“:

„Ziel der Kampagne war es, möglichst viele Menschen in Burkina Faso zum Wählen zu bewegen. Es ist wichtig, dass sich jeder als Beobachter fühlt: Jeder hat eine Kontrollfunktion; ist Wächter freier Wahlen. Sie müssen bedenken, dass die Radio – und Fernsehstationen des Landes ein Sendeverbot hatten. Uns blieben nur noch Facebook, Twitter und weitere soziale Netzwerke, um unter uns zu kommunizieren. Facebook, Twitter und YouTube haben wir stark genutzt, um die Bevölkerung zu informieren – auch über geplante Treffen und Demonstrationen.“

Vor allem Menschen, die keine Schulbildung hätten und nicht lesen und schreiben könnten, nutzten die sozialen Netzwerke, so die Mitbegründerin des afrikanischen Bloggerverbands. Rund 80 Prozent der 17 Millionen Burkinabe habe ein Handy, so Ouedrago, und zwischen 150.000 und 200.000 Menschen seien auf Facebook registriert. „Es reicht aus, wenn ein geringer Anteil in die sozialen Netzwerke involviert ist“, so die Expertin. Sobald die Veranstaltungen und Treffen stattfänden, komme auch die restliche Bevölkerung damit in Berührung. Immerhin geschehe in Burkina Faso seit 2014 eine Revolution: Früher oder später müssten die Menschen mit dem Internet zurechtkommen.  

Die Grenzen einer Facebook-Revolution, auf die man während der Arabellion auch in Nordafrika gehofft hatte, haben sich gezeigt: Despoten konnten zwar gestürzt werden, doch politische Umwälzungen sind erfahrungsgemäß ein langwieriger Prozess. Davon lassen sich die Blogger aber nicht entmutigen. Der Bloggerverband tauscht sich regelmäßig aus über die Erfahrungen in den einzelnen Ländern. Langfristig hofft das Netzwerk darauf, den Völkern und insbesondere den Jugendlichen in Afrika auch auf höherer politischer Ebene eine Stimme zu verleihen.

(rv 04.12.2015 cz)

04/12/2015 11:37