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Papst Franziskus \ Begegnungen

Papst an Ordensleute: „Starres Einhalten der Regeln ist Egoismus"

Franziskus mit einer Ordensfrau - ANSA

17/09/2015 11:36

Papst Franziskus hat junge Ordensleute vor „Starrheit“ im Leben ihrer Gemeinschaften gewarnt. Es gebe da die Versuchung, besonders auf die Einhaltung von Regeln zu pochen. „Die Observanz darf nicht starr sein: wenn sie starr ist, ist sie nicht Observanz, sondern persönlicher Egoismus“, erklärte Franziskus an diesem Donnerstag Ordensleuten aus aller Welt, die er anlässlich des derzeit laufenden Ordensjahres in Audienz empfing. Er antwortete in freier Rede auf drei Fragen, die an ihn gerichtet wurden.

Franziskus würdigte das Beispiel der heiligen Teresa von Avila. Sie sei eine „freie Frau“ gewesen, „so frei, dass sie vor die Inquisition musste“. Als Klausurnonne sei sie durch ganz Spanien gezogen und habe dort Klöster gegründet, ohne je die Fähigkeit zur Kontemplation zu verlieren. „Prophetie, Fähigkeit zu träumen, das ist das Gegenteil von Starrheit. Die Starren können nicht träumen!“, verdeutlichte Franziskus.

Zugleich warnte der Papst die Ordensleute vor der Unaufrichtigkeit, die im Geschwätz und der üblen Nachrede liegen. „Werft niemals Bomben des Geschwätzes. Nie! Das ist die Pest des Gemeinschaftslebens! Und so wird der Ordensmann, die  Ordensfrau, die ihr Leben Gott geweiht haben, zum Terroristen oder zur Terroristin, weil sie in ihre Gemeinschaft eine zerstörerische Bombe werfen!“

Auf die Frage nach dem rechten Weg der Evangelisierung antwortete Franziskus, das Herz müsse brennen. „Evangelisieren ist nicht bloß überzeugen: es ist be-zeugen, dass Christus lebt. Und wie bezeugst du das? Mit deinem Fleisch, mit deinem Leben. Du kannst noch so viel studieren und Kurse für Evangelisierung machen, und das ist ja auch gut, aber die Fähigkeit, die Herzen zu erwärmen, kommt nicht aus den Büchern, sondern aus deinem eigenen Herzen.“ Franziskus bedankte sich an dieser Stelle ausdrücklich bei Ordensfrauen – „entschuldigt, wenn ich jetzt ein wenig feministisch werde“, warf er ein: „Ihr habt diese Lust, immer nach vorn zu gehen. Warum? Weil ihr Mütter seid, weil ihr die Mütterlichkeit der Kirche habt.“ Aus seiner eigenen Erfahrung als Erzbischof von Buenos Aires erzählte er, wie aus Südkorea stammende Schwestern in einem von alten argentinischen Ordensfrauen geführten Krankenhaus wahre Wunder wirkten, obwohl sie kein Wort Spanisch sprachen. „Das Zeugnis eines brennenden Herzens. Das ist die Mütterlichkeit der Schwestern. Bitte, verliert das nicht.“

Den jungen Ordensleuten verriet Franziskus auch, er trage seit dieser Woche das Kreuz eines im Irak enthaupteten Priesters bei sich. Ein irakischer Geistlicher habe es ihm bei der Generalaudienz überreicht, berichtete Franziskus. Der Märtyrer habe das Kreuz in der Hand gehalten, als er ermordet wurde, weil er Christus nicht habe verleugnen wollen, so der Papst. Franziskus betonte, niemals in der Geschichte habe es mehr christliche Märtyrer gegeben als in der heutigen Zeit.

(rv 17.09.2015 gs)

17/09/2015 11:36