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Flüchtlingstragödie im Zentrum Europas angekommen

Blumen an der Fundstelle: 71 tote Flüchtlinge, darunter vier Kinder wurden am Donnerstag in einem LKW im Burgenland gefunden. - REUTERS

28/08/2015 13:14

71 tote Flüchtlinge in einem LKW, 4 Kinder waren darunter. Diese erschreckende Zahl über die Flüchtlingstragödie im Burgenland wurde an diesem Freitag in einer Pressekonferenz präsentiert. Donnerstagnachmittag wurden Polizisten auf den LKW auf der Autobahn A4 aufmerksam, aufgrund des Verwesungsgeruches. Drei mutmaßliche Schlepper, von denen man sich „eine Spur zu den Hintermännern“ erhoffe, seien in Ungarn festgenommen worden. Die Flüchtlinge seien wohl Syrer gewesen.

Die Betroffenheit in Österreich ist groß, denn im Gegensatz zum Mittelmeer sei dieses Drama im Herzen Europas geschehen, sagt der Pressesprecher der Diözese Eisenstadt in Österreich Dominik Orieschnig. „Es herrscht tiefste Betroffenheit im Burgenland. Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics hat gestern österreichweit seine Trauer und seine Betroffenheit zum Ausdruck gebracht. Er hat zum Gebet aufgerufen, vor allem vor Ort, wo die Betroffenheit am allerschlimmsten ist, weil hier der Tod dieser Menschen mehr oder weniger vor der Haustüre stattgefunden hat.“

Österreichs „Europabischof“ Ägidius Zisfkovics sagte am Donnerstag in seiner Stellungnahme, dass dieses Drama der Auswuchs der europäischen Untätigkeit in der Flüchtlingspolitik sei. Er nannte es sogar eine „subtile Mittäterschaft“, für ihn sei das Maß voll. Für seinen Sprecher Orieschnig muss nun das lebendige Gedächtnis aktiviert werden. „Und wirklich zu überlegen, was das für uns alle bedeutet, was es für die einzelnen Länder Europas und auch für die europäische Union bedeutet, wenn sozusagen die Schrecken der Flüchtlingstragödie jetzt direkt in die Lebenswirklichkeit Europas gerückt sind. Kann man so weitermachen oder ist nun wirklich der Zeitpunkt gekommen, etwas zu ändern?“ Deswegen brauche es eine gesamteuropäische Strategie als Antwort auf die aktuelle Flüchtlingskatastrophe. Diese Strategie müsse auch seitens Österreichs Bundesregierung „mit viel mehr Entschiedenheit als bisher“ von der EU eingefordert werden und könne weder das Zerstören von Schlepperbooten noch ein Festungsgedanke oder Mauerbau sein.

Die Kirche selber leiste, so Orieschnig sowohl im Kleinen als auch im Großen seinen Anteil. „Ich glaube sogar, dass die Kirche die Institution ist, die am umfassendsten etwas tun kann und auch hier einen Input an die Gesellschaft und an die europäischen Eliten geben kann. Es hat einen großen Mahner, Viktor Frankl, in Österreich gegeben, der von kollektiv Verantwortung gesprochen hat und wir befinden uns heute alle in so einem Zustand der kollektiven Verantwortung und die Kirche ist hier besonders gefragt auf diese hinzuweisen.“ Für Orieschnig ist nun die Zeit gekommen, dass die politischen Eliten Europas, wie er es nennt, aufzuwachen und zu handeln.“

Derweil wird in Neusiedl am See, unweit von der ungarischen Grenze, für den nächsten Freitag ein Gottesdienst vorbereitet, um den 71 Opfern, die in einem LKW auf der Autobahn gefunden wurden, zu gedenken. Auch werden im burgenländischen Neusiedl, unmittelbar in der Nähe des Fundortes, Gebetskreise für die Opfer gegründet werden, aber auch für alle anderen Flüchtlinge, die über verschiedenste Wege nach Europa kommen. „Es gibt viele Initiativen zum Beispiel über moderne Kommunikationsmittel wie WhatsApp, wo man eine Aktion „Licht der Hoffnung“ initiiert hat, wo alle gebeten worden sind, Lichter in ihre Fenster zu stellen zum Gedenken an die Toten und diese schreckliche Flüchtlingstragödie,“ erzählt Orieschnig über die Reaktionen der Menschen in Neusiedl.

(rv 28.08.2015 pdy)

28/08/2015 13:14