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Laudato Si`, Folge 3: Was ist das, der Klimawandel?

Prof. Schellnhuber im Mai bei der Vorstellung der Enzyklika - AFP

10/08/2015 13:40

Eiszeiten, Dürreperioden, extreme Hitze. Das Klima auf unserem Planeten verändert sich seit Milliarden von Jahren. Dieser Wandel hat auch natürliche Gründe. Der Klimawandel der letzten 100 Jahre aber ist hauptsächlich auf den Menschen zurückzuführen, so sieht es die Papstenzyklika, so sieht es auch die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler.

Mit Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid, Methan oder bestimmten Kohlenwasserstoffen erhitzen wir die Atmosphäre. Die Wissenschaft versucht die Mechanismen des Klimawandels genauer zu verstehen und herauszufinden, welche Folgen auf uns zukommen und wie wir denen begegnen können. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), zeichnet ein Szenario: „Bei ungebremstem Klimawandel, also der Verstärkung der Trends die wir durch unsere Zivilisation hervorbringen, würde die Welt, in der wir uns am Ende dieses Jahrhunderts befinden und erst recht darüber hinaus, kaum noch derjenigen ähneln, die die menschliche Zivilisation hervorgebracht hat in den letzten elftausend Jahren, die ja eine bemerkenswerte Klimastabilität hervor weisen konnte. Also wir würden die Welt mit der wir vertraut sind, verlassen. Und das ist keine gute Idee.“

Der physikalische Vorgang der Erderwärmung ist schon vor hunderten von Jahren beschrieben worden, 1896, vom dänischen Chemiker und Physiker, Sant Aurinus, der später den Nobelpreis gewann. Schellnhuber erklärt das so: Licht fällt auf die Erde und die Atmosphäre lässt das kurzwellige Licht, also das Licht, das wir sehen können, weitgehend ungehindert passieren. Wenn die Sonne auf einen warmen Platz wie etwa Steine falle, dann entstehe Wärmestrahlung. Die verlasse dann wieder den Boden. Aber das Kohlendioxid in der Luft lasse dieses langwellige Licht, die Infrarotstrahlung, nicht mehr heraus. Sie werde zurückreflektiert und quasi eingesperrt in der Atmosphäre. Um den Treibhauseffekt zu erklären, hat sich Professor Schellnhuber zwei Vergleiche ausgedacht:

„Eine Reihe von hungrigen Menschen zwängt sich durch die Gitterstäbe, die zu einer Speisekammer führen. Da sie relativ dünn sind, kommen sie durch, wenn sie sich dann aber vollgefressen haben in der Speisekammer, dann kommen sie nicht mehr heraus, sie sind zu dick geworden. Und so ist es mit dem Licht: Es wird sozusagen länger und dicker und je mehr CO2 wir in die Atmosphäre bringen – und wir haben als Menschen die atmosphärische Konzentration um über 40 Prozent erhöht – desto weniger Wärmestrahlung kann noch zurück. Das ist, wie wenn Sie eine warme Decke über Ihren Körper streifen, dann wird Ihre eigene Wärmestrahlung zurückreflektiert und es wird immer heißer.“

Professor Schellnhuber, Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, ist überzeugt, dass sich die Zukunft der Welt in den Jahren zwischen 2020 und 2030 entscheidet. Bis dahin habe die Menschheit Zeit, diese Kipprozesse noch zu verhindern, ab 2030 sei eine Verhinderung nicht mehr möglich. Die Eisberge und Gletscher könnten wir vielleicht noch retten, die Korallenriffe wohl nicht mehr; wenn der Mensch Treibhausgase auf der ganzen Welt bis Ende 2030 um rund die Hälfte reduziert würden, schafften wir es, sagt Schellnhuber. Wie das gehen soll? Das globale Energiesystem müsse komplett auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

„Das ist eine industrielle Revolution, aber solche haben ja schon stattgefunden. Insofern sehe ich das nach langem, langem Nachdenken über diese Dinge und unzähligen Studien, die ich gelesen habe oder selbstangefertigt habe, als machbar an. Also, was man lernt ist, dass nicht nur natürliche Systeme der Erde wie Eisschilder und große Regenwälder kippen können, sondern dass auch kulturelle Prozesse kippen können und zwar ins positiv. Das heißt ich glaube, es gibt sehr gute Alternativen zur fossilen Wirtschaft und ich glaube, dass wir nur noch um eine Armlänge entfernt sind von der Alternative dazu.“

 

(rv 10.08.2015 cz)

10/08/2015 13:40