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Franziskus zu Häftlingen: „Ringt darum, vorwärts zu kommen”

Franziskus fuhr in einem kleinen offenen Wagen durch die Gefangenenstadt Palmasola - AFP

10/07/2015 15:13

Emotionale Momente für Papst Franziskus und die Insassen des berüchtigten Gefängnisses Palmasola in Bolivien. Nach drei Zeugnissen von Insassen über ihr Leben und die Missstände in dieser Gefangenen-Siedlung ergriff der Papst das Wort. „Der vor euch steht, ist ein Mann, der Vergebung erfahren hat“, so stellte er sich den Häftlingen vor; und genau das wolle er mit den Gefangenen teilen: „Jesus Christus, die Barmherzigkeit des Vaters.“

Es ist das größte Gefängnis Boliviens, zehn Kilometer entfernt von dem Stadtzentrum von Santa Cruz. Rund 5.300 verurteilte Kriminelle und Untersuchungshäftlinge sind dort untergebracht und leben hinter den Mauern in einer Welt für sich. Ausgelegt wäre die Hüttenstadt von 10.000 Quadratmeter nur für 800 Häftlinge. Die Häftlinge leben dort mit ihren Familien. Bis zum Alter von sechs Jahren bleiben die Kinder im Gefängnis bei der Mutter, das besagt das Gesetz. Genannt wird die Haftanstalt „Centro de Reabilitacion“ – Zentrum der Resozialisierung. Drogen, Kriminalität und Gewalt zählen jedoch zum Alltag und machen es wohl eher zu einem Zentrum der Isolation.

Genau davon erzählten auch drei Insassen bei dem Besuch vor Papst Franziskus am Freitagmorgen im Pavillon PS 4. Tränen flossen, und Darstellungen der Wirklichkeit wurden verstärkt und wiederholt. Korruption kontrolliere die Haftanstalt und Armut die Menschen, die dort leben. Niemand überwache die Haftanstalt, der Staat und die Regierung schließe die Augen.

Am Sportplatz der Haftanstalt hörte Franziskus bewegt die Worte der Insassen, umarmte sie und stellte sich dann selbst vor:

„Der vor euch steht, ist ein Mann, der Vergebung erfahren hat. Ein Mann, der von seinen vielen Sünden erlöst wurde und wird. Und als solcher stelle ich mich vor. Vielmehr habe ich euch nicht zu geben oder anzubieten, doch was ich habe und was ich liebe, ja, das möchte ich euch geben, möchte es mit euch teilen: Jesus Christus, die Barmherzigkeit des Vaters.“

Papst Franziskus erinnerte an die Geschichte der Jünger Petrus und Paulus, die auch Gefangene gewesen waren. Auch ihnen sei die Freiheit entzogen worden, doch durch das Gebet fanden sie Hoffnung. Das helfe voranzuschreiten.

„Man beginnt, sich selbst, seine eigene Wirklichkeit mit anderen Augen zu sehen. Man bleibt nicht an das gekettet, was geschehen ist, sondern ist fähig, zu weinen und so die Kraft zu einem neuen Anfang zu finden.“

Die Haft sei keine Ausschließung , sondern ein Teil des Prozesses der Weidereingliederung sagte der Papst, doch auch er wisse, dass genau dieser Ort der Haft eine weitere Verurteilung mit vielen Nachwirkungen sein könne. Und Franziskus nannte die Probleme beim Namen:

„…die Überbelegung, die Langsamkeit der Justiz, der Mangel an Arbeitstherapien und an Rehabilitationsprogrammen, die Gewalt – alles Dinge, die ein schnelles und effizientes Zusammenwirken der Institutionen nötig machen, um Lösungen zu finden.“

Franziskus kündigte daher diesen Mängel den Kampf an und warnte vor dem wachsenden Egoismus, der von der Isolation genährt werde. Er motivierte die Insassen dazu, Rivalitäten und internen Feindlichkeit ein Ende zu bereiten.

„Helft euch gegenseitig! Habt keine Angst, einander zu helfen! Der Teufel sucht die Rivalität, die Spaltung, die Parteiungen. Ringt darum, vorwärts zu kommen!“

Besonders hob der Papst die Verantwortung der Familie hervor. Ihre Hilfe und Gegenwart sei wesentlich für die Insassen. Papst Franziskus dankte auch den vielen Mitarbeitern und Beamten. Sie alle seien Teil des Prozesses, die Schwarz-Weiß-Malerei von Gut und Böse zu überwinden und in eine „Logik“ der helfenden Menschen einzumünden. Schließlich segnete er die Gefangenen und Anwesenden.

„Und bitte betet weiter für mich, denn auch ich mache meine Fehler und muss Buße tun. Danke.“

Nach dem Besuch der Gefängnisanstalt fuhr Papst Franziskus zu einem informellen Besuch der bolivianischen Bischöfe. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit trifft er rund 40 Geistliche, einschließlich einiger emeritierten Bischöfe. Um die Mittagszeit (Ortszeit) trifft Papst Franziskus am Flughafen von Viru Viru ein weiteres Mal auf den Präsidenten Boliviens, bevor er nach Paraguay, seiner letzten Etappe der einwöchigen Südamerikareise aufbricht.

(rv 10.07.2015 no)

10/07/2015 15:13