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Papstinterview: „Ich war schon immer ein Wanderer“

Reisender: Jorge Mario Bergoglio in der Metro - ANSA

25/05/2015 15:27

In einem aktuellen Interview mit der Zeitung „La Voz del Pueblo“ geht Papst Franziskus auf globale Missstände ein und gibt intime Einblicke in sein Amt. Das Gespräch auf Spanisch wurde in dem argentinischen Blatt am Pfingstsonntag veröffentlicht. Geführt wurde es von dem Journalisten Juan Berretta, der Papst Franziskus vor einiger Zeit im vatikanischen Gästehaus Santa Marta besuchte. Im Folgenden lesen Sie eine Zusammenfassung.

Wie fühlt es sich an, Papst zu sein? Was hofft ein Papst, worum sorgt er sich, was bewegt ihn besonders? Um diese Fragen kreist das Gespräch, in dem Jorge Mario Bergoglio einen persönlichen Einblick in sein Amtsverständnis gibt. Zu seiner großen Popularität befragt, antwortet der Papst zunächst abwehrend. Er hat aber doch eine Ahnung davon, warum er einen solchen „Magnetismus“ auf die Menschen ausübt. „Ich weiß nicht genau, warum das passiert. Es ist, als ob die Leute verstünden, was ich sagen möchte. Ich versuche, konkret zu sein. Und das, was ihr ,Magnetismus‘ nennt, hat, so sagen mir bestimmte Kardinäle, damit zu tun, dass die Menschen mich verstehen.“ Es fühle sich so an, als ob sein Leben sich mit dem der Menschen „vermische“. Im Übrigen tue es ihm gut, unter Menschen zu sein, ohne sie könne er „psychologisch nicht leben“.

„Ich war schon immer ein Wanderer“

Sicher – fährt Franziskus dann fort – es fehlten ihm auch viele Dinge im Vergleich zu seinem Leben in Argentinien: Zum Beispiel „rausgehen und auf den Straßen herumlaufen“ oder „eine Pizza essen gehen“. Pizza? Die könne er doch in den Vatikan bestellen, entgegnet der Journalist. „Ja sicher, das ist aber nicht dasselbe. Das Schöne ist doch, dorthin zu gehen. Ich war schon immer ein Wanderer.“ Als Kardinal habe es ihn „verzaubert, auf den Straßen zu laufen“ oder Metro zu fahren. „Die Stadt verzaubert mich, ich bin in tiefster Seele ein Städter“, so Papst Franziskus. Seine Heimat sieht Franziskus übrigens auch aus einem anderen Grund mit Wehmut: Er halte Argentinien für das „Land vieler Möglichkeiten und vieler verpasster Gelegenheiten“, wenn er auch das politische Geschehen dort kaum noch verfolge.

Dass es ungeahnte Folgen haben kann, wenn er sich als Papst mal über das Protokoll hinwegsetzt, sei ihm inzwischen auch klar, schließt er an. Einmal habe er bei einer Autofahrt mit Chauffeur vergessen, das Fenster zu schließen, und damit „für Krawall gesorgt“: Die Leute hätten ihn neben dem Fahrer sitzen sehen und das Auto nicht durchgelassen. Es sei wahr, er habe den „Ruf des Indisziplinierten, das Protokoll befolge ich nicht sehr, ich empfinde das als kalt“, doch wenn es um „offizielle Dinge“ gehe, halte er „komplett“ daran fest.

Bereitet ihm sein wichtiges Amt auch mal schlaflose Nächte?, will der Journalist wissen. „Ich habe einen so tiefen Schlaf, dass ich mich ins Bett lege und sofort schlafe.“ Im Regelfall schlafe er sechs Stunden, so Franziskus: „Normalerweise gehe ich um neun in mein Zimmer und lese fast bis zehn.“ Derzeit lese er übrigens den „großen spirituellen Meister“ Siluan von Athos. „Wenn dann ein Auge anfängt zu tränen, knipse ich das Licht aus und schlafe bis vier. Dann wache ich von selber auf, das ist meine biologische Uhr.“ Am Tag brauche er dann allerdings „die Siesta“: „Da muss ich zwischen vierzig Minuten und einer Stunde schlafen, ich ziehe mir die Schuhe aus und ziehe mich ins Bett zurück“. Wenn er das nicht tun könne, merke er das auch.

„Tollkühner“ Charakter

Grundsätzlich sei er ein „tollkühner“ Charakter, fährt der Papst fort. Deshalb habe er „generell keine Angst“. Mit seiner Wahl zum Papst habe er zwar überhaupt nicht gerechnet, habe sich aber ganz Gott anvertraut: „Das Leben eines Geistlichen, eines Jesuiten, verändert sich je nach Notwendigkeit“, so Franziskus wörtlich. Auch was etwa mögliche Attentate auf ihn betreffe, fühle er sich „in den Händen Gottes“. Freilich habe er Angst vor physischem Schmerz: „Was das betrifft, bin ich sehr ängstlich. Ich habe keine Angst vor einer Spritze, ziehe es aber vor, keine Probleme mit körperlichem Schmerz zu haben.“ Momentan mache ihm die Intensität seines Amtes zu schaffen, ergänzt er. „Ich halte einen sehr starken Arbeitsrhythmus ein, das ist das Syndrom des Schuljahrendes, das im Juni endet“.

Es kämen da auch manchmal „tausende Dinge und Probleme“ hinzu, so Franziskus mit Blick auf die mediale Berichterstattung über seine Amtsführung weiter: In den Medien würden seine Worte manchmal aus dem Kontext gerissen, und es entstünden Probleme daraus; da werde richtiggehend gekämpft „um das, was du sagst oder nicht sagst“.

(rv 25.05.2015 pr)

25/05/2015 15:27